Tagebau Garzweiler

Samstags zum Braunkohle-Tagebau Garzweiler

Kurz hinter Köln eine weite ebene Landschaft. Sonniges Wetter. Der hohe Himmel spannt sich über scheinbar endlosen Feldern, auf denen die Wintersaat aufgeht. Wir sind aus dem waldreichen Siegerland angereisst, um den Braunkohle-Tagebau und die riesigen Bagger zu sehen. Nicht viel über die Gegend hier wissend, informieren wir uns erst mal in Schloss Pfaffendorf in Bergheim. In diesem Ziegel-Wasserschloss stellt das RWE Broschüren über den Tagebau zur Verfügung.

Es gibt offizielle Aussichtspunkte, also steuern wir Jackerath im Tagebau Garzweiler an. Eisekalter Wind, kaum mag ich die Kamera hervorholen. Der Anblick ist unglaublich: endlose Mondlandschaft, viel größer als erwartet. Die riesigen Bagger, die wir eigentlich fotografieren wollten, sind weit weg. Die Kälte treibt uns schnell wieder zum Wagen.

Kurz darauf fahren wir durch den nächsten Ort – Otzenraht.

Zuerst merken wir nichts. Doch dann eins, zwei, drei aufgerissene Häuser. Und dann sehen wir, die Fenster aller Häuser sind leer und tot. Kein Mensch, kein Auto und kein Tier ist zu sehen. Ein Geisterdorf. Grausig. Was wird mit der alten gewachsenen Nachbarschaft, mit den Gärten und Bäumen. Das kann man doch nicht umsiedeln. Die alte Kirche. Sowas braucht doch Jahrzehnte. Da nützt der schicke Neubau nicht viel. Ich stelle mir vor, welche Wut angesichts der Ohnmacht dem Konzern gegenüber in den Menschen des Ortes sein muss.

Wir fahren nachdenklich weiter.

Gehen noch ein bisschen spazieren in einem Tal voller Hinweistafeln, die über die gelungene Renaturierung berichten. Uns erinnert die Gegend und die Vegetation an eine begrünte Müllkippe. Auf der Rückfahrt sehen wir vor uns ein Dorf in den Rauchwolken eines Kraftwerkes.

Im Siegerland war die Landschaft vor hundert Jahren auch vom Bergbau gezeichnet. Aber da sich das meiste unter Tage abspielte, hat „nur“ der hohe Holzbedarf für die Verhüttung die Landschaft gezeichnet. Die Gegend hier, um Garzweiler, scheint mir so rücksichtslos ausgebeutet, dass ich mir nicht vorstellen kann, dort zu leben. Nur wenige Protest-Schilder haben wir gesehen. Mit der Feststellung, dass Deutschland für derart gewaltigen Tagebau viel zu wenig Fläche hat, treten wir den Heimweg an und beschliessen, hier nicht mehr her zu kommen.

Links:

Tagebau Garzweiler bei Wikipedia